Aktuelles: Tourismus Östringen

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Mein Kopftuch gehört mir?

Ein heißes Eisen fassten die Besucherinnen des internationalen Frauentreffs am 26.9. an, als die Referentin Talia Ö. von ihren Erfahrungen im deutschen Alltag berichtete. Die junge deutsche Muslimin ist in Deutschland geboren und hat gerade ihr Abitur in der Tasche. In Kürze beginnt sie ihr Studium der Erziehungswissenschaften.

Seit gut drei Jahren trägt die junge Frau ein Kopftuch, und ihr Leben hat sich seitdem verändert: „Als ich mich mit 17 entschieden habe, mich zu bedecken, habe ich gedacht, das betrifft ja nur mich. Ich habe nicht darüber nachgedacht, was andere vielleicht denken.“

Doch dann hatte sie ein Schlüsselerlebnis: In einer Karlsruher Hautarzt-Praxis, erzählt sie, habe sie an der Rezeption darum gebeten, die Untersuchung wenn möglich von einer Ärztin durchführen zu lassen. Kurz danach sei der Arzt im Wartezimmer vor ihr gestanden und habe vor allen anderen Patienten zu ihr gesagt: „Entweder Sie lassen sich jetzt von mir untersuchen oder sie gehen. Wie sind hier in Deutschland.“ Nach flüchtiger Untersuchung habe er ihr eine Liste von weiblichen Hautärztinnen in die Hand gedrückt. „Ich war so perplex, dass ich nicht reagieren konnte. Erst als ich wieder draußen war, schossen mir die Tränen in die Augen.“ Dieses Erlebnis habe sie geprägt: „Damals habe ich mir geschworen, in so einer Situation nie mehr den Mund zu halten.“

Warum sie überhaupt ein Kopftuch trägt? „Ich fühle mich mit Kopftuch viel wohler“, erklärt Talia, „es hat für mich etwas Intimes, jemandem meine Haare zu zeigen. Das mache ich nur bei nahen Freunden.“ Doch die Wirkung dieses ganz persönlichen Empfindens auf andere ist enorm: „Wenn man mein Kopftuch sieht, fragt man mich, woher ich komme. Ich werde nicht als Deutsche gesehen, obwohl ich deutsch bin. Manchen macht das nichts aus, aber ich finde das schade, weil ich hier aufgewachsen bin.“

Als der Bademeister eines öffentlichen Schwimmbades sie dieses Jahr wegen des Reißverschlusses an ihrem Burkini des Wassers verwiesen hat, schlug das hohe Wellen. Denn diesmal schwieg sie nicht. Sie suchte über die sozialen Medien die Öffentlichkeit und brachte die Schwimmbad-Leitung in Bedrängnis.

In einer lebhaften, bewegenden Diskussion tauschten sich die Frauentreff-Besucherinnen über ähnliche Erfahrungen, Vorurteile und Gegenmittel aus.

Eine Kenianerin im Kreis teilt ihre Erfahrung, dass sie wegen ihrer dunklen Haut immer angeguckt werde. Im Bus oder Zug werde immer sie zuerst kontrolliert. Sie sei auch schon häufig beschimpft worden. Letztens habe sie ein Fahrgast im Bus weithin hörbar angepöbelt: „Diese Neger haben nie eine Fahrkarte.“ Nach dem Ausstieg habe sie eine solche Angst ausgestanden, weil derselbe Mann mit seinem Hund hinter ihr hergelaufen sei. Am Sparkassenschalter habe eine Kundin auf sie gedeutet: „Wegen dieser Leute kriegen wir weniger Rente.“ Eingeschritten sei in beiden Fällen niemand.

Und was können wir alle tun, um der Diskriminierung im Alltag entgegenzuwirken?

Es sei wichtig, miteinander in Kontakt zu kommen, ist die Runde sich einig, denn sonst entstünden Vorurteile. „Sich mehr als Mensch wahrnehmen“, betont eine der Anwesenden.

Die Referentin empfiehlt „Zivilcourage und das Erlebnis öffentlich machen“. Die Betroffenen im Kreis nicken: „Ja, aufstehen, einmischen, etwas dagegen sagen.“

Beim nächsten internationalen Frauentreff am 14.11. von 9–11 Uhr in der Gustav-Wolf-Galerie geht es um „Auszeiten im Alltag“. Alle Frauen sind eingeladen, Tipps und persönliche Praktiken einzubringen und miteinander zu teilen.

dbs

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